Schon in einem anderen Thread wurde auf den Bruckner-Zyklus mit Dennis Russel Davies bei Arte Nova aufmerksam gemacht:
Der Dirigent hat den "Linzer" Lokalvorteil (man denke an den ersten Bruckner-Zyklus mit diesem Orchester) genutzt und wählte geschickt als Repertoirelücke die Frühfassung der vierten Symphonie von 1874. Russel Davies hat zwar eigentlich gar nicht das stärkste Orchester, auf dieser CD sind aber keinerlei orchestrale Schwächen zu erkennen. Entstanden ist diese vermutlich bisher schlüssigste Einspielung.
Hier erscheint alles aus einem Guss, die letzten Takte des Finales ein überwältigendes Donnern.
Die Version wurde 1875 aufgeführt von Kurt Wöss mit den Münchner Philharmonikern, aber die Symphonie setzte sich in dieser Fassung bekanntermaßen nicht beim Publikum durch.
Allerdings handelt es sich gerade bei der "Romantischen" eher um Abfolgen von instinktiven Motiven als um einen betont klaren architektonischen Aufbau, so dass eigentlich die Frühversion leichter zugänglich sein sollte als die "verstandesmäßigen" Umarbeitungen.
Einen (nur) englischen, kurzen aber guten Text gibt es hierzu im Inlay.
Ich gebe den Ausführungen im Text recht: Die Spätfassung enthält eigentlich mehr "Brüche" als die frühe Version, wenn sie so gespielt wird wie in dieser Aufnahme.
Schon bei Inbal dachte ich: Neue Töne, Bruckner wie noch nie gehört und dass es noch Unentdecktes mit so "modernem" Spektrum bei Bruckner gibt. Bei Inbal wirkte es aber wie romantisch-geniale, eher beziehungslos aneinandergereihte Einfälle.
Bei Dennis Russel Davies aber liegt eine wirklich "neue", in sich geschlossene Symphonie vor. Bemerkenswert!