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 Betreff des Beitrags: Beethoven : Klavierkonzerte und Tripelkonzert
BeitragVerfasst: Dienstag 9. Juni 2009, 18:02 
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Registriert: Samstag 28. Juni 2008, 20:58
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Zunächst hier ein Zitat aus dem Karajan-Thread: :arrow: viewtopic.php?f=7&t=206&start=0

aaltenb hat geschrieben:
Sviatoslav Richter war mit der Entstehung dieser Aufnahme des Tripelkonzertes (D. Oistrach, M. Rostropovich, S. Richter, Berlin PO, H. v. Karajan, EMI, 1969) nachhaltig unzufrieden: Er soll sich beschämt gefühlt haben wegen des "anmaßenden" Einflusses des Dirigenten auf alle Teilnehmenden, dem sich niemand widersetzen durfte.
Er sollte m.E. Recht behalten: Das Orchester klingt so klotzig und gewaltig, dass es relativ egal ist, wie gut die Solisten spielen. Eine nicht akzeptable und fantasielose Monumentalisierung des Tripelkonzertes, welcher auch noch Referenzstatus zugebilligt wird [Penguin Guide: "Dieses Star-Trio liefert eine atemberaubende Vorstellung. Wenn dann auch noch Karajan dirigiert, ist das fast zu schön, um wahr zu sein."] :? . Es bleibt das interessante, künstlerisch zwiespältige Resultat einer "missglückten" Zusammenkunft.
In meiner Ausgabe dieser Einspielung auf dem Cover der Serie "Studio plus" (EMI) erschien der Name Karajans doppelt so groß wie der von Szell. Dieser Fehler wurde in der Serie "Great Recordings of the Century" korrigiert, zumal der Aufnahme des Doppelkonzertes (Brahms) mit D. Oistrach, M. Rostropovich, G. Szell eher Referenzstatus zufiele. Abgebildet ist allerdings ein Foto der LP-Ausgabe des Tripelkonzertes.
Die kühl-monumentale Sichtweise des Tripelkonzertes wurde von H.v. Karajan selbst in seiner späteren, m.E. viel schöneren Aufnahme (mit M. Zeltser, Yo-Yo Ma, A.-S. Mutter, DG, 1979) korrigiert. Hier wird das Tripelkonzert wieder zum "freundlichen" Gelegenheitswerk, ähnlich wie man es auch von anderen guten Aufnahmen (Kegel, Inbal, Zinman) kennt. Ungeachtet des (leicht) diffusen Klangbildes, das in der Zukunft sicher noch durch Überarbeitung "verschlimmbessert" werden wird ( :mrgreen: ), würde ich der Kundenrezension bei amazon zustimmen, weil diese Interpretation recht warm und sensibel klingt.





Die genannten Aufnahmen kenne ich allesamt nicht; dafür habe ich heute endlich die von mir schon lange gesuchte Aufnahme des Tripelkonzerts mit Badura-Skoda, Maier, Bylsma und dem Collegium Aureum hören können:




Lange gesucht habe ich diese gestrichene Einspielung deswegen, weil es sich hier um die meines Wissens einzige Aufnahme auf Originalinstrumenten handelt. Allerdings handelt es sich auch um eine der allerersten (1974) Beethoven-Aufnahmen auf ebensolchen Instrumenten, und das hört man leider auch. Erstaunlich, mit wieviel Vibrato die Orchesterstreicher hier noch spielen; auch mit dem Umgang mit den alten Instrumenten hapert es noch ein wenig: die beiden Solostreicher, selbst der späterhin so wunderbar kompetente Anner Bylsma, haben hier gelegentlich doch deutliche Intonationsprobleme. Geiger Franzjosef Maier klingt auch erstaunlich 'dünn' (und spielt ebenfalls mit zu viel Vibrato); irgendwie verstehe ich langsam, warum Aufnahmen auf alten Instrumenten in den 70ern oftmals als 'drahtig' verschrien waren. Da hat sich wirklich viel getan seitdem. Dennoch: eine sehr hörenswerte Aufnahme, da die Interpretation an sich sehr gelungen ist: ein kluger Mittelweg zwischen Schwere und Leichte; harmlos wirkt das Werk hier sicher nicht, sondern intensiv und spannend gespielt. Und endlich, endlich einmal stimmt die Balance zwischen den Solisten, was natürlich dem Hammerklavier zu verdanken ist, dessen 'kleinerer' und leiserer Klang verhindert, daß wie sonst üblich der Klavierpart mit großer Pranke alles andere zudeckt. Dennoch hätte ich gerne eine Alternative auf alten Instrumenten; wenn ich also eine andere Aufnahme verpasst haben sollte, sagt bitte Bescheid!

Die zwei Jahre früher entstandene Aufnahme des 4. Klavierkonzertes hab' ich noch nicht gehört; kommt aber noch (dann wohl mit Interpretationsvergleich zu Lubin/Hogwood).

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“Before I compose a piece, I walk around it several times, accompanied by myself.”
Erik Satie


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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven : Klavierkonzerte und Tripelkonzert
BeitragVerfasst: Mittwoch 10. Juni 2009, 18:34 
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Also, zunächst möchte ich die vielen Liebhaber der Karajan-Aufnahme mit S. Richter, D. Oistrach und M. Rostropowitsch nicht vor den Kopf stoßen. Richter hatte sich eben später skeptisch über diese Aufnahme geäußert. Der zu monumentale Orchesterklang ist dagegen mein persönlicher Eindruck. Während man geneigt wäre für die freundlichere, harmonischere Stimmung, die die DG-Aufnahme vermittelt, geradezu einen Sympathie-Bonus zu geben, entstehen bei der EMI-Einspielung harte Kälte wie bei vier um die Kontrolle pokernden Generälen.
Auch bei der späteren DG-Aufnahme (mit M. Zeltser, Yo-Yo Ma, A.-S. Mutter, H. von Karajan) möchte ich nicht von einer unbedingten Referenz, sondern einer "guten" Einspielung sprechen, die für das Aufnahmedatum m.E. einen zu undifferenzierten Orchesterklang hat.




Mit Original-Klangaufnahmen des Tripelkonzertes op.56 kann ich nicht dienen, sondern unter anderen stehen folgende Interpretationen bei mir im Regal:

Herbert Kegels digitaler Beethoven-Zyklus mit der Dresdner Philharmonie ist relativ beliebt, freilich interpretiert Kegel wie so oft leicht sachlich, dafür trotzdem beschwingter als HvK (DG). Das Tripelkonzert wird aber durch die Solisten (Peter Rösel, Klavier, Christian Funke, Violine, Jürnjakob Timm, Cello) lebendig gemacht, die ein "warm" klingendes Ensemble bilden. Man täte der Aufnahme unrecht, wenn man sie nicht als sehr gut einstufen würde. Die Dresdner Philharmonie klingt hier, wie in den meisten Aufnahmen, nicht optimal durchhörbar, aber aufgefächerter als die Berliner Phiharmoniker in HvK's DG-Aufnahme (1979). Deshalb darf man m.E. eine Empfehlung für diese CD aussprechen!







In der Aufnahme mit dem Trio Fontenay u. dem Philharmonia Orchestra unter Eliahu Inbal wird perfekt und elegant musiziert. Nicht verschweigen sollte man, dass die CD einst einen schwarzen Stern für herausragende Interpretation in der Zeitschrift FonoForum erhalten hatte. Dennoch: Ähnlich kühl wie der metallische Rolladen auf dem Cover - und dadurch etwas austauschbar - so wirkt auf mich diese Aufnahme.







Auch mehr "mit dem Kopf", d.h. verstandesmäßig und ganz leicht kühl nähert sich David Zinman dem Konzert, aber er setzt nicht nur idiomatische Akzente, sondern "staffelt" auch bei rel. zügigen Tempi den Orchesterklang besonders gut. Seine Solisten erscheinen einem wie das Who's Who: Gil Shaham, Violine, Truls Mork, Cello, und der schon bei den Klavierkonzerte recht bewährte Yefim Bronfman, erzeugen viele einzigartige Klänge. Bei ClassicsToday (http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=9926) erhielt diese Einspielung als eine der wenigen 10 von 10 Punkten, auch für die Klangqualität: Vielleicht doch ein wenig "überbewertet"? "Besser" als Kegel empfinde ich den Gesamteindruck zumindest nicht. Auch das Septet op.20 gelingt erfreulich detailiert, so dass man jedes Instrument heraushört.







Gleich "erwärmen" konnte ich mich für diese "Autoritäten" Oistrach, Oborin, Knushnevitzky und dem Philharmonia Orchestra unter M. Sargent, aber während die Solisten auf ganzer Linie überzeugen, hat die Aufnahme ein entscheidendes Manko: Der Orchesterklang ist aufnahmetechnisch auch für eine frühe Stereoaufnahme (1959) schlichtweg miserabel festgehalten worden. Der Eindruck ist so schlecht, dass die ganze Aufnahme zwar interessant bleibt, aber nicht mehr konkurrenzfähig ist. Eventuell holen die EMI oder ein anderes Label durch ein besseres Remastering einmal mehr aus dem Orchesterklang heraus, denn schlechter geht es bestimmt nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven : Klavierkonzerte und Tripelkonzert
BeitragVerfasst: Mittwoch 10. Juni 2009, 19:44 
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Registriert: Montag 4. Mai 2009, 15:33
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Tripelkonzert
Hier einmal kurz die Aufnahmen, die ich besitze.

Die Aufnahme mit Richter, Oistrach, Rostropowitsch, Karajan ist nicht so schlecht, wie Richter hier zu suggerieren versucht. Ich denke, sie ist einfach ein Resümee auf die Änderungen in Richters Klavierspiel selbst (er war ja einmal ein Supervirtuose, während er in späteren Jahren von Virtuosität nicht mehr viel hielt).

Aber tatsächlich ist die Oistrach- Aufnahme mit Oborin, Knushevitsky unter Malcom Sargent geschlossener und konsistenter geraten. Ich habe beide Aufnahmen in der Box "Complete EMI Recordings" (sehr zu empfehlen!)


Eine Liveaufnahme aus Lugano 2002 mit Martha Argerich, Renaud Capucon und Misha Maisky ist sehr virtuos und lebendig (eben live) gespielt, läßt aber manchmal doch etwas die Feinheiten vermissen - aber sehr unterhaltsam, in keinster Weise langweilig


Für mich die herausragende Aufnahme des Tripekonzerts ist die mit Thomas Zehetmair, Clemens Hagen und Pierra-Laurent Aimard unter Nikolaus Harnoncourt



Klavierkonzerte

Bei den Klavierkonzerten ist es nicht so einfach.

Großartig sind die Aufnahmen mit Brendel/Levine, Brendel/Rattle, Pollini/Abbado



Pollini bringt relativ wenig Indiivudalität in sein Spiel, bietet dafür aber einen glasklaren Beethoven und legt wunderbar die Strukturen und Steigerungen bloß.

Weniger überzeugen mich die Gesamtaufnahme mit Evgeny Kissin und Colin Davis


Wenig anfreunden kann ich mich auch nicht mit der hochgelobten Aufnahme von Daniel Barenboim und Otto Klemperer, obwohl das Klavierspiel des jungen Daniel Barenboim wirklich herausragend ist (sein heutiges Klavierspiel ist nur noch ein schwacher Abglanz)


mein Favorit aber sind die Aufnahmen mit Serkin/Kubelik, Zimerman/Bernstein, Gulda/Stein und Gilels/Szell (wobei letztere bei der Kritik erstaunlicher Weise immer sehr schlecht weggekommen sind - mir völlig unverständlich.).



Die Gilels-Aufnahmen gibt es leider nicht mehr - sie wurden vor eingien Jahren in der Serie "EMI forte" veröffentlicht. Leider habe ich da keine Cover gefunden (ist aber kein großer ästhetischer Verlust - schön waren sie eh nicht).

Ja und dann gibt es noch die Aufnahmen des genialen Beethoven-Interpreten Solomon (mit Herbert Menger bzw. André Cluytens) aus den 50iger Jahren - er spielt gerade die langsamen Sätze mit einer unvergleichlichen Expressivität. Testament hat ein erstaunliches Remastering geliefert (natürlich kommt die Qualität nicht an heutige Aufnahmen heran), allerdings sind die CDs viel zu teuer.




Recht gut ist auch die Aufnahme mit Murray Perahia und Bernard Haitink, allerdings fast schon etwas "altersmild" gespielt-



An Einzelaufnahmen sind die fein strukturierten mit Benedetti Michelangeli/Carlo Maria Giulini zu empfehlen



Die Gegenposition - ein Wirbelwind - sind die Aufnahmen mit Martha Argerich
Nr. 1 mit Heinz Wallberg

Konzert Nr.2 und 3 mit Claudio Abbado


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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven : Klavierkonzerte und Tripelkonzert
BeitragVerfasst: Samstag 13. Juni 2009, 18:36 
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Da ich bei Beethoven ja immer am liebsten alte Instrumente höre, habe ich bei den Klavierkonzerten nur die Gesamtaufnahme mit Steven Lubin und der Academy of Ancient Music unter Hogwood:


Der Ansatz ist hier eigentlich ziemlich ähnlich wie bei Hogwoods Aufnahme der Symphonien: nicht ganz so schnelle Tempi zwar, aber wie dort ein sehr stürmischer, drängender Beethoven, bei ausgesprochen farbigem und rhythmisch präzisen Orchesterspiel. Lubin ist eher unauffällig, macht seine Sache aber ordentlich.

Im direkten Vergleich mit der oben erwähnten Aufnahme des vierten Konzerts mit Badura-Skoda und dem Collegium Aureum würde ich allerdings definitiv Badura-Skoda vorziehen. Das klingt sehr viel lyrischer als bei Lubin/Hogwood, auch die Dynamikabstufungen werden besser realisiert, während bei Hogwood ein Pianissimo schon häufig mal als Piano durchgeht. Natürlich: Hogwood läßt mit weniger Vibrato spielen, und Lubin spielt fast konsequent ohne Legato; beides dürfte historisch korrekt sein; aber Badura-Skoda - ohne subjektivistisch zu sein - ist einfach emotional viel ergreifender, besonders im zweiten Satz. Ein wirklich toller Pianist, von dem ich sehr gern einmal seine leider gestrichene Gesamtaufnahme der Beethoven-Sonaten auf dem Hammerklavier (bei einem kleinen französischen Label in den frühen 90ern erschienen) hören würde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven : Klavierkonzerte und Tripelkonzert
BeitragVerfasst: Sonntag 21. Juni 2009, 18:02 
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Tommaso hat geschrieben:
Da ich bei Beethoven ja immer am liebsten alte Instrumente höre, habe ich bei den Klavierkonzerten nur die Gesamtaufnahme mit Steven Lubin und der Academy of Ancient Music unter Hogwood:
Hab' ich mir doch gleich mal das noch preiswerte Amazon-Exemplar (Lubin/Hogwood) bestellt und warte gerade darauf.

BildIch selbst habe für EUR 2,50 bisher nur 1 CD der Klavierkonzerte 2 u. 4 auf Originalinstrumenten mit Anthony Newman, einer Philomusica Antiqua, N.Y., u. Stephen Simon. So richtig inspierend empfand ich die Aufn. bisher zwar nicht, aber auch nicht schlecht! Es gibt eine kurze, gute engl. Einführung des Pianisten selbst, der einen Continuo-Part auch im reinen Orchesterteil spielt und bei der ganzen Gestaltung mit Indexierungen wurde mehr Wert auf Genauigkeit als auf Schönheit gelegt.


Aber hier eine Auswahl meiner z.T. noch nicht genannten Favoriten mit konventionellen Instrumenten:

Bild
bzw.: Royal Ed. Concertos 3 & 5 Rudolf Serkin ist rel. legendär mit seinen brillianten, modernen Interpretationen, und besonders reizvoll mit dem NYP u. Bernstein. Letzterer ist auch at his best mit der beigefügten Leonoren-Ouvertüre III (CBS Masterworks). Dagegen wirkt seine neuere Fidelio-Produktion (DG) irgendwie schon bei der Ouvertüre ein wenig "schwächer". Wer aber noch andere Beethoven-Konzerte als 3 u. 5 von Rudolf Serkin hören will, muss auf Einspielungen mit Ormandy zurückgreifen, die auch gut anhörbar sind (alternativ Kubelik?, s. obigen Beitrag von Serse53) .

Auch in dieser Aufnahme spielt Alfred Brendel famos und laut mancher Kritiker zeigt er sich hier sogar in seinem besten Licht. Ob das Orchester (LPO/Haitink) tatsächlich aufnahmetechnisch nicht gut ist, ist mir noch nicht aufgefallen. Aber ob man hier Levine oder Rattle braucht? Vermutlich kann man sich darüber streiten, welche Brendel-Aufnahmen in der Gesamtabwägung die besten sind.









Zu Michelangeli habe ich mich ja schon öfters geäußert und empfinde gerade das 5.Klavierkonzert als Referenz, die ich aber nicht immer während hören möchte. Der recht kraftvolle Ansatz wird durch Giulinis Begleitung mitgetragen. Es ist halt DER Anschlag eines Pianisten ...








Zum Einstieg okay, preiswert, sehr solide sind der große chilenische Pianist Claudio Arrau, SD, Colin Davis (früher Phi; VEB/Dt. Schallpl. Berlin). Bei FF und :arrow: http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=2944 gab's beste Kritiken. Dennoch eine eher konventionelle Deutung der Klavierkonzerte Nr.4 und 5 und empfehlenswert vor allem wegen des "Preis-/Leistungsverhältnisses". Arrau/C. Davis interpretieren am Ende m.E. weniger "spektakulär" als Serkin/Bernstein, Brendel/Haitink oder Michelangeli/Giulini, aber ernsthaft u. ausgewogen.








Etwas anders als mit den o.g. sehr individuell agierenden Pianistengenies, eher kalkulierend u. präzise ergeht es einem mit Yefim Bronfman. Aber Zinmans idiomatischer Orchesterpart macht diese Aufnahmen so waschecht "beethovenisch": So nahe dran war er mit dem Tonhalle Orchester meines Erachtens auch bei den Symphonien nicht! Das Motto dieser Aufnahmen für mich könnte lauten: ein bisschen weniger Emotion (als z.B. bei Serkin mit Bernstein/Ormandy), dafür eine Spur mehr Beethoven?


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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven : Klavierkonzerte und Tripelkonzert
BeitragVerfasst: Samstag 30. Januar 2010, 19:16 
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Registriert: Dienstag 1. Juli 2008, 23:59
Beiträge: 632
Tommaso hat geschrieben:
Da ich bei Beethoven ja immer am liebsten alte Instrumente höre, habe ich bei den Klavierkonzerten nur die Gesamtaufnahme mit Steven Lubin und der Academy of Ancient Music unter Hogwood:


Der Ansatz ist hier eigentlich ziemlich ähnlich wie bei Hogwoods Aufnahme der Symphonien: nicht ganz so schnelle Tempi zwar, aber wie dort ein sehr stürmischer, drängender Beethoven, bei ausgesprochen farbigem und rhythmisch präzisen Orchesterspiel. Lubin ist eher unauffällig, macht seine Sache aber ordentlich.

Ich ertappe mich dabei, fast nur noch diese Aufnahmen der Konzerte (zumindest Nr.1-4) zu hören. Das auch andere Hörer sehr zufrieden mit dieser Kassette sind, geht aus den Kundenrezensionen bei amazon.com hervor. Man fühlt sich Beethoven näher als in anderen Aufnahmen und auch die Klaviersonaten (Mondschein, Der Sturm) waren für mich sehr aufschlussreich, weil erst durch das "Originalinstrument" klar wird, warum Beethoven diese Pedalgebung vorsah: Beim "stärkeren" modernen Klavier klingen viele Passagen diffuser, beim historischen umso klarer. Das macht neugierig auf alle Klaviersonaten auf historischen Instrumenten - weil es wohl eine Notwendigkeit zum Verständnis ist und nicht wegen rein archivarisch-wissenschaftlichen Interesses. Viel mehr nur von archivarischem Wert erscheinen da etliche zwar fachmännisch gespielte (ich denke da z.B. an Pollini/WPO/Böhm bei DG), aber für mich recht unspezifisch klingende Einspielungen. Auch diejenigen mit Yefim Bronfman können trotz Zinmans Orchesterpart allein aufgrund des verwendeten Instrumentes nicht recht mithalten. Im Unterschied zu Lubin spielt übrigens o.g. Stephen Simon (mit Philomusica Antiqua, Anthony Newman), ebenfalls auf historischem Instrument, im Tutti-Part weiter; das ist zumindest interessant, Beethoven klingt aber bei diesen Interpreten sehr akademisch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven : Klavierkonzerte und Tripelkonzert
BeitragVerfasst: Samstag 30. Januar 2010, 19:39 
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aaltenb hat geschrieben:
Das macht neugierig auf alle Klaviersonaten auf historischen Instrumenten - weil es wohl eine Notwendigkeit zum Verständnis ist und nicht wegen rein archivarisch-wissenschaftlichen Interesses.


Ja, genau meine Auffassung, und es gilt nicht nur für die Klaviersonaten, sondern eben auch für die Sonaten mitKlavier. Ich habe ja in einem anderen Thread schon auf jene Einspielung hingewiesen, auf der man Fassungen der frühen Violinsonaten im direkten Vergleich auf modernen und alten Instrumenten hören kann, und der Unterschied ist frappierend. :arrow: viewtopic.php?f=5&t=356

Interessant und zur Hoffnung Anlass gebend ist, daß mittlerweile auch schon Schumann auf 'ursprünglichen' Instrumenten gespielt wird. Dazu sehr lesenswert ist das Interview, das Sal mit dem Pianisten Tobias Koch geführt hat:

:arrow: http://blog.codaex.de/2010/01/interview ... bias-koch/

Jetzt wisst ihr auch, was unser Administrator sonst so treibt.... :-)

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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven : Klavierkonzerte und Tripelkonzert
BeitragVerfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 01:11 
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Tommaso hat geschrieben:
Interessant und zur Hoffnung Anlass gebend ist, daß mittlerweile auch schon Schumann auf 'ursprünglichen' Instrumenten gespielt wird. Dazu sehr lesenswert ist das Interview, das Sal mit dem Pianisten Tobias Koch geführt hat:

:arrow: http://blog.codaex.de/2010/01/interview ... bias-koch/

Jetzt wisst ihr auch, was unser Administrator sonst so treibt.... :-)


Hehe... danke für die Werbung fürs Codaex-Blog und für Tobias Koch. Ich denke, das lockere Interview spricht für sich - ebenso seine CD mit den Schumann-Werken. Wie ihr ja alle wisst, bin ich keiner, der mit der Romantik viel anfangen kann - aber gespielt auf dem richtigen Instrument ist diese Musik alles andere als langweilig, sondern bezaubernd und fesselnd, befreit von allem falschen Pathoa: So klingt Schumann frisch und perlend, modern und spannend. Ich würde so gerne Tobias Koch dazu überreden Beethovens 32 Klaviersonaten aufzunehmen. Mit seinem Verve, seiner makellosen Technik und seinem unverkrampften Ansatz, könnten diese "HIP-Aufnahmen" einen völlig neuen Beethoven freilegen. Kommt Zeit, kommt Rat.

BTW: Codaex vertreibt ja quasi alle relevanten belgischen und niederländischen Label und da merkt man gleich: Die sind viel weiter in Sachen historische Aufführungspraxis, als wir. Jedes kleine Ensemble spielt da wie selbstverständlich auf Original-Instrumenten und verzichtet auf egomanische Show-Einlagen bei den Interpretationen.

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"Vivan le femmine!
Viva il buon vino!
Sostegno e gloria d'umanità!"

(W. A. Mozart/ L. da Ponte aus "Don Giovanni", 2. Akt)


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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven : Klavierkonzerte und Tripelkonzert
BeitragVerfasst: Montag 15. Februar 2010, 08:33 
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Registriert: Dienstag 1. Juli 2008, 23:59
Beiträge: 632
aaltenb hat geschrieben:
Aber hier eine Auswahl meiner z.T. noch nicht genannten Favoriten mit konventionellen Instrumenten:

Auch in dieser Aufnahme spielt Alfred Brendel famos und laut mancher Kritiker zeigt er sich hier sogar in seinem besten Licht. Ob das Orchester (LPO/Haitink) tatsächlich aufnahmetechnisch nicht gut ist, ist mir noch nicht aufgefallen. Aber ob man hier Levine oder Rattle braucht? Vermutlich kann man sich darüber streiten, welche Brendel-Aufnahmen in der Gesamtabwägung die besten sind.

bzw. preiswerter hier: :arrow: http://www.amazon.de/Klavierkonzerte-1-5-Ga-Brendel/dp/B00000E2PH/ref=sr_1_11?ie=UTF8&s=music&qid=1266213825&sr=8-11 oder bei :arrow: http://www.medimops.de/bestseller/index.html direkt - bei medimops ist ab 20 Eur Gesamtbestellung die Lieferung kostenlos.

Für Eur 1,99 habe ich mir jedenfalls die Gesamtaufnahme der Beethovenschen Klavierkonzerte mit Alfred Brendel, CSO, James Levine zugelegt. Es handelt sich um Live-Mitschnitte aus Chicago 1983, mit Applaus aufgezeichnet. Das Gute zuerst: In der Erstausgabe von Philips (entspricht nicht der Abbildung) gibt's einen "kritischen" Text u. Kommentar zur Aufnahme von Alfred Brendel selbst mit Verweisen zu Autographen und u.a. mit Verweis auf Anmerkungen seines Kollegen Paul Badura-Skoda. Die digitalen Aufnahmen klingen "intellektueller" als die vorausgehenden analogen mit Bernhard Haitink, sowohl vom solistischen als auch Orchesterpart. Die ungewöhnlich prickelnde Frische der älteren Einspielung (ein "Wow" möchte man als Hörer dazu sagen) finde ich hier nicht mehr. In der Studioaufnahme mit Haitink klingt Brendel "perfekter". Auch in FF wurde in den 90er Jahren die Haitink-Version aufgrund des Spiels Alfred Brendels als empfehlenswertere angesehen. Ich würde mich in meiner Einschätzung anschließen und auch den Orchesterpart u. das perfekte Zusammenspiel mit dem London Philharmonic Orchestra/Haitink als spannender, d.h. vor dem mit CSO und Levine einordnen - und das obwohl ich i.d.R. besonders interessiert an James-Levine-Aufnahmen bin... Dennoch werde ich mir diese Ausgabe noch öfters anhören, denn erfreulich ist sie ja doch, zumal sie "gebraucht" für einen "Spottpreis" erhältlich ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven : Klavierkonzerte und Tripelkonzert
BeitragVerfasst: Freitag 19. März 2010, 13:24 
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Registriert: Samstag 28. Juni 2008, 11:53
Beiträge: 113
Seit langem stöbere ich mal wieder hier im Forum. :)

Vor einer Weile habe den langsamen Satz aus dem vierten Klavierkonzert mit Schoonderwoerd gehört und war sehr beeindruckt. Das Orchester schien sehr klein, die Streicher unglaublich rau und ruppig (passt ja hervorragend bei diesem Satz) und der Hammerflügel wunderbar leicht.
Falls ich mir noch eine Aufnahme der Klavierkonzerte kaufen würde, wäre das sicher meine erste Adresse.

Mittlerweile gibt es alle Konzerte:


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