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 Betreff des Beitrags: Beethoven: Kammermusik
BeitragVerfasst: Donnerstag 26. November 2009, 16:45 
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Ich habe kürzlich noch ein paar ganz interessante Beethoven-Kammermusik-CDs bekommen. Zunächst einmal diese hier mit den Violinsonaten op.12 :


Das Spannende an dieser Doppel-CD ist, daß die Werke hier zweimal präsentiert werden, nämlich auf modernem und auf Originalklang-Instrumentarium; man kann also endlich mal direkt vergleichen: gleiche Interpreten, gleiche Tontechnik, gleicher Interpretationsansatz mit fast identischen Spielzeiten für die einzelnen Sätze. Und dennoch: was für ein himmelweiter Unterschied. Mit Darmseiten und Pianoforte klingen diese oftmals als zu leichtgewichtig empfundenen Stücke ausgesprochen spannend und mitreißend, sehr spritzig und detailreich gespielt. Eine nahezu ideale Interpretation durch Matthias Metzger und Gerrit Zitterbart, würde ich sagen. Wenn man dann im direkten Kontrast aber die Version auf modernen Instrumenten hört: nee nee, das geht gar nicht. Alles wirkt langsamer (trotz, wie gesagt, gleichen Tempi), viel weniger rhythmisch und in der Balance unausgewogener. Der größere Ton besonders des Klaviers tut diesen charmanten Stücken nicht gut. Wer immer noch skeptisch ist hinsichtlich der Überlegenheit alter Instrumente auch bei Beethoven (gerade bei diesen frühen Stücken), der sollte sich diese Einspielung dringend anhören; ganz abgesehen davon, daß die Interpretation und die Klangtechnik hervorragend sind. Kostet beim Zweitausendeins im Augenblick nur 4,99 Euronen.

Ebenfalls ganz früher Beethoven sind die Klaviertrios op.1, 1 &2 hier gespielt in einer Aufnahme mit dem London Fortepiano Trio (und nein, ich habe natürlich NICHT den Amazon-Preis bezahlt....):



Durchaus bereits substantielle Werke in einer einfühlsamen, eher lyrisch gehaltenen Interpretation auf alten Instrumenten. Das fehlende op.1,3 habe ich mittlerweile in dieser preisgünstigen Harmonia Mundi-Aufnahme bekommen:




Ebenfalls auf alten Instrumenten, etwas leichter aber auch 'beschwingter' gespielt als bei den Londonern. Sehr schön auch das sogenannte 'Gassenhauer'-Trio, das hier in der Originalfassung mit Klarinette statt mit Violine gespielt wird. Sehr zu empfehlen.

Eine diskographische Seltenheit ist die Serenade op.25 für Flöte, Violine und Viola (was für eine ätherische Besetzung!). Ich habe dieses Stück in einer Aufnahme mit Susan Milan, Levon Chilingirian und Ian Brown auf einer Einzel-CD aus der großen Beethoven-Box von Brilliant, die der hiesige Zweitausendeins 'aufgemacht' hat und die CDs für jeweils 99 Cents verscherbelt hat. Da konnte ich nicht widerstehen....



Ein sehr nettes, aber nicht allzu substantielles Nebenwerk in einer guten Aufnahme - von Chandos übernommen - auf modernem Instrumentarium, und vielleicht deswegen so harmlos. Oder sagen wir's positiv: das Stück klingt eher wie Mozart als wie Beethoven, aber das macht ja auch nichts. Außerdem drauf: diverse Werke (ohne Opuszahl) für die Besetzung Mandoline (!) und Piano. Sehr schön und überhaupt nicht wie Beethoven klingend. Also, falls ihr das irgendwo ebenso günstig sehen solltet wie ich, eine klare Empfehlung fürs Kuriositätenkabinett. :-)

Das hier ist das originale Chandos-Release, das aber die Mandolin-Werke NICHT enthält:


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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven: Kammermusik
BeitragVerfasst: Freitag 19. März 2010, 13:26 
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Kann jemand etwas zu den Cello-Sonaten sagen? Liebste Aufnahme mit alten und/oder neuen Instrumenten?


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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven: Kammermusik
BeitragVerfasst: Samstag 27. März 2010, 11:13 
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Es ist gerade ein Album erschienen, dass HIP und moderne Instrumente gleichzeitig beinhaltet, also das komplette Material doppelt, einmal historisch-informiert, einmal modern:



Liegt hier rum, habe ich aber noch nicht reingehört.

Sehr empfehlenswert finde ich die gerade komplettierten Aufnahmen von Angela Hewitt und Daniel Müller-Schott, auf modernen Instrumenten zwar, aber sehr gut und klar interpretiert:



Eine preislich interessante und dennoch hörenswerte Alternative sind die Aufnahmen des Duos Fellner/Schiff



aber seitdem ich die Hewitt/Müller-Schott-Aufnahmen habe/kenne, favorisiere ich diese.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven: Kammermusik
BeitragVerfasst: Samstag 27. März 2010, 14:20 
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sal hat geschrieben:

Eine preislich interessante und dennoch hörenswerte Alternative sind die Aufnahmen des Duos Fellner/Schiff



aber seitdem ich die Hewitt/Müller-Schott-Aufnahmen habe/kenne, favorisiere ich diese.


Das kann ich nachvollziehen, obgleich ich Hewitt/Müller-Schott nicht kenne. Aber Fellner/Schiff fand ich, obgleich dies eine von Decca übernommene Aufnahme ist und Heinrich Schiff sicherlich ein erstklassiger Cellist ist, doch eher enttäuschend. Zwar ist es immer etwas schwierig, Beethoven auf modernen Instrumenten spannend zu gestalten, aber daran allein liegt's nicht. Das ist alles nobel gespielt, aber es besitzt viel zu wenig Dramatik, ist viel zu harmlos im Ansatz und ist auch mit - selbst für moderne Instrumente - weitaus zu großem Ton gespielt. Ich find's schlicht langweilig, und das hat Beethoven nicht verdient. Trotz des Preises für mich keine Empfehlung.

Meine Empfehlung für die Cellosonaten ist diese leider vergriffene, aber bei amazon marketplace noch zu bekommende Einspielung von Anner Bylsma und Jos van Immerseel:



Auf alten Instrumenten gespielt, ist diese Aufnahme für mich ein echtes Ereignis. Wie unglaublich mitreißend, neuartig und vielschichtig Beethoven hier klingt! Die Interpreten disponieren formal sehr klug, bilden große Spannungsbögen, und Bylsma scheut zum Glück auch vor harschen Tönen nicht zurück (Scherzo von op.69 zum Beispiel), ohne daß hier unsensibel herumgekratzt würde. Auch die Balance zwischen Cello und Fortepiano ist ideal gelungen. Ich kann mir eigentlich keine bessere Interpretation dieser grandiosen Stücke vorstellen.


Noch eine weitere Beethoven-Empfehlung auf alten Instrumenten :


Diese CD enthält eine sehr gelungene Auswahl aus den weithin unbekannten, für Gesang und Klaviertrio gesetzten "Schottischen Liedern", Folk Song Arrangements also, die Beethoven als Auftragswerk eines schottischen Verlegers schrieb. Normalerweise mag ich klassisch bearbeitete Volkslieder überhaupt nicht, aber diese CD hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Es ist schon erstaunlich, wie inspiriert Beethoven hier bearbeitet hat, und die exzellente Interpretation spürt den verschiedenen Stimmungen dieser wirklich schönen Stücke vorbildlich nach, und Klaus Mertens singt das mit schöner, trotz der Baß-Bariton-Lage nicht zu schwerer Stimme. Zusätzlich gibt's noch den Klaviertriosatz WoO 39 (kein frühes Werk, sondern Beethovens letzte Komposition für diese Besetzung) und das Rondo op.51,1, die hier an klugen Stellen in das Liedprogramm eingestreut werden. Momentan für 3,99 Euro bei jpc, aber dennoch auch mehr Geld wert.

@ Sal: die CD enthält übrigens das von Signore Battiato so wunderbar grauslich verürgselte "Oh sweet were the hours"; nur falls du mal wissen willst, wie das 'richtig' klingt... :-)

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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven: Kammermusik
BeitragVerfasst: Sonntag 4. April 2010, 12:53 
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Tommaso hat geschrieben:
sal hat geschrieben:

Eine preislich interessante und dennoch hörenswerte Alternative sind die Aufnahmen des Duos Fellner/Schiff



aber seitdem ich die Hewitt/Müller-Schott-Aufnahmen habe/kenne, favorisiere ich diese.


Das kann ich nachvollziehen, obgleich ich Hewitt/Müller-Schott nicht kenne. Aber Fellner/Schiff fand ich, obgleich dies eine von Decca übernommene Aufnahme ist und Heinrich Schiff sicherlich ein erstklassiger Cellist ist, doch eher enttäuschend. Zwar ist es immer etwas schwierig, Beethoven auf modernen Instrumenten spannend zu gestalten, aber daran allein liegt's nicht. Das ist alles nobel gespielt, aber es besitzt viel zu wenig Dramatik, ist viel zu harmlos im Ansatz und ist auch mit - selbst für moderne Instrumente - weitaus zu großem Ton gespielt. Ich find's schlicht langweilig, und das hat Beethoven nicht verdient. Trotz des Preises für mich keine Empfehlung.


Vielleicht ist das ohnehin das Problem von Cello-Sonaten: Ihre "elegante" Besetzung verführt zum eleganten Spiel. Beide, Schiff und Fellner sind sogar für ihren exquisit eleganten Ton bekannt. Was man da bekommt, ist eine gute Bestandsaufnahme dessen, was man heute mit den Cello-Sonaten macht. Die anderen Aufnahmen auf modernen Instrumenten klingen nicht besser, eher schlechter und farbloser.

Die Hewitt/Müller-Schott-Aufnahme hebt sich, trotz moderner Instrumente, durch ein engagierteres, leidenschaftlicheres Spiel ab. Gerade bei den späten Sonaten gelingt es Müller-Schott imho den Spannungsbogen (haha!) aufrecht zu erhalten und die Partitur nicht nur herunterzunudeln. Andererseits bin ich mir sicher, dass Du immer noch nicht zufrieden sein wirst.

Die Schottischen Lieder finde ich ja, gelinde gesagt, nicht so dolle. Da hat Beethoven eher misslaunig einen Auftrag erledigt. Aber bei dem Preis lasse ich mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen. Ich versuche es mal im Hinterkopf zu behalten, bei der nächsten Null-Euro-Porto-Aktion oder so.

Auffallend, wie viele Originalinstrumente-Aufnahmen aus Belgien und den Niederlanden kommen, mh? Das ist alles eine Baggage. Bewundernswert, wie locker die das sehen und wie natürlich das alles klingt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven: Kammermusik
BeitragVerfasst: Sonntag 4. April 2010, 15:10 
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sal hat geschrieben:
Die Hewitt/Müller-Schott-Aufnahme hebt sich, trotz moderner Instrumente, durch ein engagierteres, leidenschaftlicheres Spiel ab. Gerade bei den späten Sonaten gelingt es Müller-Schott imho den Spannungsbogen (haha!) aufrecht zu erhalten und die Partitur nicht nur herunterzunudeln. Andererseits bin ich mir sicher, dass Du immer noch nicht zufrieden sein wirst.


Ja, wenn es sich nicht gerade um Streichquartette handelt, muß es für mich bei Beethoven wohl wirklich historisches Instrumentarium sein, denn zumindest das moderne Klavier hat für mich eigentlich per se diesen 'eleganten' Duktus, der Beethoven noch weniger bekommt als Mozart. Trotzdem kann man natürlich auch auf modernen Instrumenten unterschiedlich schönklangig spielen, insofern glaub' ich Dir schon, daß Hewitt/Müller wohl spannender ist als Schiff/Fellner. Bloß: normalerweise reicht mir eine Aufnahme eines Stückes, wenn ich sie richtig gut finde (Mahler-Symphos sind die Ausnahme von der Regel), und insofern bleib' ich bei Bylsma/Immerseel.

sal hat geschrieben:
Die Schottischen Lieder finde ich ja, gelinde gesagt, nicht so dolle. Da hat Beethoven eher misslaunig einen Auftrag erledigt. Aber bei dem Preis lasse ich mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen. Ich versuche es mal im Hinterkopf zu behalten, bei der nächsten Null-Euro-Porto-Aktion oder so.


Auftrag erledigt sicherlich, mißlaunig vielleicht, aber der Mann war einfach viel zu professionell um schlechte Arbeit abzuliefern. Okay, ich mag ja Folk Songs sowieso, insofern finde ich die Stücke an sich erstmal schon gut, aber ich finde eben auch die Arrangements sehr gelungen, gerade klanglich. Auch hier dürfte wieder das Original-Instrumentarium eine wichtige Rolle spielen. Ich kann mir vorstellen, daß das auf einem modernen Flügel ausgesprochen 'klebrig' klingen könnte. Da ist dann Battiato wirklich nicht so weit weg...

sal hat geschrieben:
Auffallend, wie viele Originalinstrumente-Aufnahmen aus Belgien und den Niederlanden kommen, mh? Das ist alles eine Baggage. Bewundernswert, wie locker die das sehen und wie natürlich das alles klingt.


Naja, die haben halt nicht den ganzen großen deutschen Kulturballast auf dem Rücken. Für die sind Beethoven oder Mozart eben keine Nationalheilige, sondern einfach exzellente Komponisten, denen man gerecht werden möchte. Es gibt aber natürlich auch einige hervorragende deutsche 'Originalklangmusiker': ich denke da etwa an Andreas Staier, der mit Daniel Sepec eine wirklich umwerfende Einspielung der Violinsonaten Nr.4 und 7 vorgelegt hat:



Das ist, was Spielkultur und Spannung angeht, sogar noch mal eine Stufe über den oben empfohlenen Zitterbart/Metzger-Aufnahmen von op.12.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven: Kammermusik
BeitragVerfasst: Donnerstag 15. April 2010, 11:26 
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Wohnort: Köln
Tommaso hat geschrieben:
sal hat geschrieben:
Die Schottischen Lieder finde ich ja, gelinde gesagt, nicht so dolle. Da hat Beethoven eher misslaunig einen Auftrag erledigt. Aber bei dem Preis lasse ich mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen. Ich versuche es mal im Hinterkopf zu behalten, bei der nächsten Null-Euro-Porto-Aktion oder so.


Auftrag erledigt sicherlich, mißlaunig vielleicht, aber der Mann war einfach viel zu professionell um schlechte Arbeit abzuliefern. Okay, ich mag ja Folk Songs sowieso, insofern finde ich die Stücke an sich erstmal schon gut, aber ich finde eben auch die Arrangements sehr gelungen, gerade klanglich. Auch hier dürfte wieder das Original-Instrumentarium eine wichtige Rolle spielen. Ich kann mir vorstellen, daß das auf einem modernen Flügel ausgesprochen 'klebrig' klingen könnte. Da ist dann Battiato wirklich nicht so weit weg...


Ich habe sie ja auf dem Merkzettel, warte noch auf ein paar Schnäppchen-Tipps.Sie sind meisterlich umgesetzt, keine Frage. Alle gesanglichen Umsetzungen die ich kenne, sind mir aber zu Lied-haft... wo ist das Folk bittesehr? Ich hätte lieber eine natürliche, unverkrampfte Stimme dafür.

Tommaso hat geschrieben:
sal hat geschrieben:
Auffallend, wie viele Originalinstrumente-Aufnahmen aus Belgien und den Niederlanden kommen, mh? Das ist alles eine Baggage. Bewundernswert, wie locker die das sehen und wie natürlich das alles klingt.


Naja, die haben halt nicht den ganzen großen deutschen Kulturballast auf dem Rücken. Für die sind Beethoven oder Mozart eben keine Nationalheilige, sondern einfach exzellente Komponisten, denen man gerecht werden möchte.


Naja... verehrt werden sie eher als Ikonen, hören tut doch hier keiner klassische Musik. Das ist in B und NL anders, wo es in jedem kleinen Kaff am WE kleine Konzerte (in der Kirche, in der Stadthalle oder so) gibt. Ich glaube, in D ist das Bild von Mozart, Beethoven, Bach und Co. dauerhaft beschädigt worden, weil hier deutsche Dirigenten, deren Output en gros fragwürdig war, glorifiziert werden: Furtwängler, Karajan etc. stehen ja nicht gerade für eine authentische Umsetzung, sie haben aber den "Höreindruck" geprägt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, was die in England lebende deutsche Lautistin Susanne Heinrich mir in einer Bemerkung in meinem Interview schrieb:

Zitat:
Das Wort ‘ernst’ macht mir ein bisschen Angst, ehrlich gesagt. Da denke ich gleich an Bach, den man in Deutschland sehr langsam spielt, weil es alles so sehr ernst ist.


Das ganze Interview gibt es übrigens hier :arrow: http://blog.codaex.de/2010/03/interview-mit-susanne-heinrich/

Lustigerweise finde ich die entmystifizierten Bachs, Beethovens, Mozarts usw. deutlich "verehrenswerter" als die aufgeblasenen, pathos-geladenen, romantisierten ... wobei ich gerade lerne, dass die arme Romantik fast noch schlimmer gebeutelt wurde von einer verzerrten Wiedergabe, als die Klassik... aber das ist ein anderes Thema.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven: Kammermusik
BeitragVerfasst: Samstag 17. April 2010, 12:55 
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sal hat geschrieben:

Ich habe sie ja auf dem Merkzettel, warte noch auf ein paar Schnäppchen-Tipps.Sie sind meisterlich umgesetzt, keine Frage. Alle gesanglichen Umsetzungen die ich kenne, sind mir aber zu Lied-haft... wo ist das Folk bittesehr? Ich hätte lieber eine natürliche, unverkrampfte Stimme dafür.


Ja, klar. Aber du kannst davon ausgehen, daß das in den Edinburgher Salons damals eben auch lied-haft gesungen wurde, und ich finde es wirft einen interessanten Blick auf die Anfänge des gleichsam 'offiziellen' Interesses an Volksliedgut. Wahrscheinlich kommt da bei mir auch wieder der Anglist durch, aber es ist eben ein ziemlich breiter Trend, der sich da um 1800 bemerkbar machte. Denk' nur mal an die ganzen Schottischen und Englischen Lieder von Haydn; da ist Beethoven mit dieser kleinen Sammlung eher ein Waisenknabe.


sal hat geschrieben:
Naja... verehrt werden sie eher als Ikonen, hören tut doch hier keiner klassische Musik. Das ist in B und NL anders, wo es in jedem kleinen Kaff am WE kleine Konzerte (in der Kirche, in der Stadthalle oder so) gibt.


Naa...übertreib' nicht. Das findet hier genauso statt, auch wenn ich nicht weiß, wieviel Leute nun zu so einem Konzert gehen.

sal hat geschrieben:
Ich glaube, in D ist das Bild von Mozart, Beethoven, Bach und Co. dauerhaft beschädigt worden, weil hier deutsche Dirigenten, deren Output en gros fragwürdig war, glorifiziert werden: Furtwängler, Karajan etc. stehen ja nicht gerade für eine authentische Umsetzung, sie haben aber den "Höreindruck" geprägt.


Das stimmt sicherlich, aber authentische Umsetzungen gab es zu den Zeiten Furtwänglers oder Karajans ohnehin auch anderswo kaum. Natürlich, es gab Toscanini, der zumindest ein etwas schnelleres Tempo anschlug; aber 'authentisch' war dessen Beethoven ebensowenig wie Klemperers. Ich denke auch, daß mit zunehmendem historischen Abstand auch der Einfluss von Karajan oder Furtwängler abnehmen wird; zumindest letzteren kennen vermutlich die Jüngeren eh nur noch vom Namen her. Gerade angesichts des Mediums Fernsehen dürften erste Erfahrungen mit klassischer Musik wohl viel eher mit Harnoncourt oder Abbado gemacht werden, beides keine ganz schlechten Empfehlungen (trotz meiner Harnoncourt-Vorbehalte).


sal hat geschrieben:

Lustigerweise finde ich die entmystifizierten Bachs, Beethovens, Mozarts usw. deutlich "verehrenswerter" als die aufgeblasenen, pathos-geladenen, romantisierten ... wobei ich gerade lerne, dass die arme Romantik fast noch schlimmer gebeutelt wurde von einer verzerrten Wiedergabe, als die Klassik... aber das ist ein anderes Thema.


I couldn't agree more. Ich hab' Mozart und Beethoven ja auch erst lieben gelernt, nachdem ich das endlich mal auf alten Instrumenten und in korrekten (sprich: schnellen) Tempi hab' hören können. Gerade Beethoven wirkt erst dann revolutionär und neuartig, wenn man endlich mal die Nebenstimmen hören kann und die Klangbalance und Farbigkeit stimmt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beethoven: Kammermusik
BeitragVerfasst: Sonntag 27. Juni 2010, 12:45 
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Registriert: Samstag 28. Juni 2008, 20:58
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Hier ist möglicherweise eine preiswerte und gute Einspielung für alle, die die Violinsonaten am liebsten auf Originalinstrumenten hören wollen: die Gesamtaufnahme mit Jaap Schröder und Jos van Immerseel aus den späten 80ern, kürzlich wiederveröffentlicht:



Daraus habe ich nur eine lange vergriffene Einzel-CD mit den Sonaten Nr.5 und 9 ("Frühlingssonate" und "Kreutzersonate"). Von diesen beiden Interpretationen hat mich besonders die Einspielung der "Kreutzersonate" überzeugt. Intensiv gespielt, durchaus mit Mut zur Rabiatheiten und klug die Spannungsbögen aufgebaut. Die Interpretation von Nr.5 ist mr dagegen etwas zu wenig emotional, zu 'leicht' gerade im zweiten Satz, und auch Jaap Schröders Geigenton scheint mir nicht immer ganz intonationssauber zu sein, auch etwas 'dünn'. Da hat sich im 'Originalklang-Feld' seither durchaus etwas getan, insbesondere wenn ich an die oben erwähnte Einspielung mit Staier/Sepec denke. Trotzdem vermutlich eine im ganzen wohl gelungene Aufnahme.

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