sal hat geschrieben:
Ich habe sie ja auf dem Merkzettel, warte noch auf ein paar Schnäppchen-Tipps.Sie sind meisterlich umgesetzt, keine Frage. Alle gesanglichen Umsetzungen die ich kenne, sind mir aber zu Lied-haft... wo ist das Folk bittesehr? Ich hätte lieber eine natürliche, unverkrampfte Stimme dafür.
Ja, klar. Aber du kannst davon ausgehen, daß das in den Edinburgher Salons damals eben auch lied-haft gesungen wurde, und ich finde es wirft einen interessanten Blick auf die Anfänge des gleichsam 'offiziellen' Interesses an Volksliedgut. Wahrscheinlich kommt da bei mir auch wieder der Anglist durch, aber es ist eben ein ziemlich breiter Trend, der sich da um 1800 bemerkbar machte. Denk' nur mal an die ganzen Schottischen und Englischen Lieder von Haydn; da ist Beethoven mit dieser kleinen Sammlung eher ein Waisenknabe.
sal hat geschrieben:
Naja... verehrt werden sie eher als Ikonen, hören tut doch hier keiner klassische Musik. Das ist in B und NL anders, wo es in jedem kleinen Kaff am WE kleine Konzerte (in der Kirche, in der Stadthalle oder so) gibt.
Naa...übertreib' nicht. Das findet hier genauso statt, auch wenn ich nicht weiß, wieviel Leute nun zu so einem Konzert gehen.
sal hat geschrieben:
Ich glaube, in D ist das Bild von Mozart, Beethoven, Bach und Co. dauerhaft beschädigt worden, weil hier deutsche Dirigenten, deren Output en gros fragwürdig war, glorifiziert werden: Furtwängler, Karajan etc. stehen ja nicht gerade für eine authentische Umsetzung, sie haben aber den "Höreindruck" geprägt.
Das stimmt sicherlich, aber authentische Umsetzungen gab es zu den Zeiten Furtwänglers oder Karajans ohnehin auch anderswo kaum. Natürlich, es gab Toscanini, der zumindest ein etwas schnelleres Tempo anschlug; aber 'authentisch' war dessen Beethoven ebensowenig wie Klemperers. Ich denke auch, daß mit zunehmendem historischen Abstand auch der Einfluss von Karajan oder Furtwängler abnehmen wird; zumindest letzteren kennen vermutlich die Jüngeren eh nur noch vom Namen her. Gerade angesichts des Mediums Fernsehen dürften erste Erfahrungen mit klassischer Musik wohl viel eher mit Harnoncourt oder Abbado gemacht werden, beides keine ganz schlechten Empfehlungen (trotz meiner Harnoncourt-Vorbehalte).
sal hat geschrieben:
Lustigerweise finde ich die entmystifizierten Bachs, Beethovens, Mozarts usw. deutlich "verehrenswerter" als die aufgeblasenen, pathos-geladenen, romantisierten ... wobei ich gerade lerne, dass die arme Romantik fast noch schlimmer gebeutelt wurde von einer verzerrten Wiedergabe, als die Klassik... aber das ist ein anderes Thema.
I couldn't agree more. Ich hab' Mozart und Beethoven ja auch erst lieben gelernt, nachdem ich das endlich mal auf alten Instrumenten und in korrekten (sprich: schnellen) Tempi hab' hören können. Gerade Beethoven wirkt erst dann revolutionär und neuartig, wenn man endlich mal die Nebenstimmen hören kann und die Klangbalance und Farbigkeit stimmt.